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Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat präzisiert, wie der Konzern im Abwehrkampf gegen die Übernahme durch die Unicredit rund 3000 Stellen streichen will. Der Großteil des Abbaus entfalle auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI). „KI ist sehr kraftvoll in verschiedenen Bereichen“, sagte Orlopp der Deutschen Presse-Agentur. Die Auswirkungen seien größer als noch vor einem Jahr angenommen.
Um die eigene Belegschaft zu schonen, greift die Bank zunächst auf externe Kapazitäten zurück. „Wir gehen zum Beispiel an die Kapazitäten bei externen Call-Centern ran“, erläuterte Orlopp. „Das Gleiche gilt für das IT-Umfeld, wo wir noch viele Externe einsetzen.“ Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden. „So, wie unsere Demografie in der Bank ist, werden wir diesen Prozess maximal sozialverträglich gestalten“, bekräftigte die Managerin.
Mit den ambitionierten Gewinn- und Renditezielen bis 2030 und dem Stellenabbau stemmt sich die Commerzbank gegen die feindliche Übernahme durch die italienische Unicredit. Ziel ist es, die eigenen Aktionäre davon zu überzeugen, ihre Anteile nicht an die Mailänder Großbank zu verkaufen. Der Bund hält gut zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile und unterstützt das Institut.
Die Unicredit hatte Anfang Mai ein Angebot für sämtliche Commerzbank-Anteile vorgelegt: 0,485 neue Unicredit-Aktien je Commerzbank-Aktie. Bis zum 16. Juni will die Bank weitere Aktien einsammeln, ohne ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen. Die Offerte kann bis zum 3. Juli verlängert werden. Die Unicredit ist in Deutschland bereits mit der Hypovereinsbank aktiv und sieht Potenzial für Milliarden-Einsparungen.
Das Vorgehen der Unicredit bewertet die Commerzbank als feindlich. Orlopp betonte: „Was wir nicht gebrauchen können, ist eine Destabilisierung unserer Organisation.“ Die Unicredit hatte die Commerzbank unter anderem in einer Social-Media-Kampagne scharf angegriffen und wurde dafür von der Finanzaufsicht Bafin gerügt. „Wir achten darauf, dass wir die Organisation stabil halten, trotz dieser unangemessenen Angriffe“, sagte Orlopp.
Kritik äußerte Orlopp an Äußerungen der Europäischen Zentralbank (EZB). EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte die Bundesregierung für ihren Widerstand gegen eine Commerzbank-Übernahme kritisiert – dies widerspreche dem Geist des europäischen Binnenmarktes. Diese Äußerungen hätten die Commerzbank „schon überrascht“, sagte Orlopp. Es mute „seltsam an, dass es von einzelnen Vertretern eine anscheinend offene Unterstützung für einen Angang gibt, der eine Destabilisierung zum Ziel hat“.
Die Bundesregierung habe die Punkte klargemacht, die am Vorgehen der Unicredit schwierig seien. „Und als Aktionär hat sie dazu auch jedes Recht“, betonte die Commerzbank-Chefin. Eine begründete Stellungnahme zum Übernahmeangebot der Unicredit will die Commerzbank Anfang nächster Woche vorlegen. „Das Übernahmeangebot der Unicredit ist de facto eine Schrumpfungs-Strategie für unser Geschäftsmodell“, kritisierte Orlopp.
Die Commerzbank habe sich nie Gesprächen verweigert. Weitere Gespräche seien allerdings nur dann sinnvoll, „wenn die Unicredit ein Zeichen gibt, dass sie bereit sind, über die Höhe des Angebots an unsere Aktionäre nachzudenken und über das Geschäftsmodell“, sagte Orlopp. Das Angebot der Unicredit sieht einen Abschlag auf den jüngsten Aktienkurs der Commerzbank vor.
Orlopp wies darauf hin, dass die Unicredit mit ihrem Angebot keine Wertschätzung für das bestehende Geschäftsmodell der Commerzbank zeige. Die Commerzbank setze auf Wachstum und Digitalisierung, während die Unicredit lediglich Kostensynergien heben wolle. „Wir sind überzeugt, dass unser eigenständiger Weg für die Aktionäre mehr Wert schafft“, so die Chefin.
Der Ausgang des Übernahmepokers bleibt offen. Die Commerzbank hofft, mit ihren Renditezielen und dem sozialverträglichen Umbau die Aktionäre zu überzeugen. Die Unicredit wiederum kann ihren Anteil von knapp 30 Prozent weiter aufstocken. Die Finanzaufsicht prüft derweil, ob die Italiener die regulatorischen Hürden nehmen. Orlopp zeigte sich kämpferisch: „Wir lassen uns nicht unter Druck setzen.“
