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Fed-Kandidat Kevin Warsh: Falke oder Trump-Vertrauter?

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Jonas Fischer
Wirtschaft - 22 Mai 2026

Donald Trumps Wunschkandidat für die Führung der US-Notenbank Fed, Kevin Warsh, wird am Freitag vom Präsidenten vereidigt. Er tritt die Nachfolge von Jerome Powell an, der bei Trump in Ungnade gefallen war, weil er sich dessen Forderungen nach massiven Zinssenkungen widersetzte.

Warsh kündigte im Senat einen Kurswechsel bei der Fed an. Zugleich versicherte er, die Zentralbank gegen Einflussnahme aus dem Weißen Haus verteidigen zu wollen. Er werde „auf keinen Fall“ eine Marionette Trumps sein, sagte er zu Vorwürfen der oppositionellen Demokraten.

„Ich setze mich dafür ein, dass die Gestaltung der Geldpolitik weiterhin streng unabhängig bleibt“, betonte Warsh bei seiner Nominierungsanhörung im Senat.

„Entscheidend wird sein, ob Warsh diese Autonomie am Ende auch gegen den permanenten Zinssenkungsdruck von Donald Trump behaupten kann“, sagte Stephan Bales, US-Experte bei der Förderbank KfW.

Welchen Kurs will Warsh bei der Fed einschlagen? In der Vergangenheit hatte er sich als geldpolitischer Falke geäußert, also als Anhänger einer straffen Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung.

Wegen des Ölpreisanstiegs und der davon ausgehenden Inflationsgefahren ließen die Märkte jüngst ihre Erwartungen an Zinssenkungen in den USA fallen. Nun preisen sie ein Szenario ein, demzufolge der US-Leitzins in diesem Jahr unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent bliebe. Durch seinen Irankrieg hat Trump sich die Chance auf die von ihm gewünschte Zinssenkung selbst zerschossen.

Selbst wenn Warsh gegen seine bisherigen Aussagen und möglicherweise aus Loyalität gegenüber Trump versuchen wird, die Zinsen zu lockern, dürfte er auf den Widerstand seiner Kolleginnen und Kollegen im Offenmarktausschuss stoßen. Dieser entscheidet mit Mehrheit über Zinsänderungen. Anders als manche Äußerungen Trumps nahelegen, ist die Fed keine Ein-Mann-Diktatur.

Warshs geldpolitischer Kurs dürfte sich jedoch nicht nur an seinen Zinsentscheidungen zeigen. Ein großes Anliegen ist es ihm, die Bilanz der Fed zu schrumpfen. Hinter dem sperrigen Begriff Bilanz verstecken sich insbesondere die Käufe von Staats- und Immobilienanleihen durch die Fed.

Unter Powell ist die Bilanz von fast neun Billionen auf dem Höhepunkt der Coronapandemie auf rund 6,7 Billionen Dollar geschrumpft. Das ist aber immer noch deutlich mehr als vor der Pandemie, als die Fed etwa 4 Billionen Dollar auf der Bilanz hatte. Vor der globalen Finanzkrise Ende der Nullerjahre waren es sogar nur rund 1 Billion Dollar.

Warsh gehört zu jenen konservativen Ökonomen und Notenbankern, die den großvolumigen Aufkauf von Staatsanleihen kritisieren. Dies führe zur Aufblähung der Geldmenge sowie der Preise anderer Anlageklassen wie etwa Aktien. Diese Gruppe argumentiert in der Tradition von Milton Friedman, der die monetaristische Theorie prägte und als einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts gilt.

Der künftige Fed-Chef betont gern, dass er selbst noch bei Friedman studiert hat. Auch während seiner Zeit in der Fed unter dem damaligen Präsidenten Ben Bernanke zeigte sich Warsh eher als geldpolitischer Falke.

Der Konflikt zwischen einem Fed-Präsidenten Warsh und Trump scheint programmiert zu sein. Besonders das Schrumpfen der Bilanz wäre eine deutliche Straffung der Geldpolitik und würde die ausufernde US-Staatsverschuldung noch teurer machen. Der Entzug von Liquidität könnte die Kapitalmärkte – einschließlich der Finanzstabilität – ins Schwanken bringen. Die Fed wäre dann statt Retter in der Finanzkrise Auslöser einer Finanzkrise.

„Er ist intelligent und umsichtig. Sein Erfolg in seiner neuen Position wird davon abhängen, ob er in der Lage ist, konstruktiv mit den Mitarbeitern des Vorstands und seinen Kollegen im Ausschuss darüber zu diskutieren, wie er die Fed voranbringen will“, sagte Jeff Lacker, ehemaliger Präsident der regionalen Fed von Richmond, der Financial Times über Warsh. Um seine Agenda voranzubringen, müsse Warsh seine Kritik an der Fed zu einer schlüssigen Argumentation ausarbeiten. „Er hat scharfe Kritik an den Mitarbeitern des Vorstands und der Denkweise der Fed geübt. Aber um ein Modell zu schlagen, braucht man ein Modell.“

Letztlich machen sich Notenbanken auch immer wieder ihre Präsidenten. Die Veränderungen unter Warsh könnten geringer ausfallen, als seine bisherigen Ankündigungen vermuten lassen. Die Geldpolitik unter seiner Ägide unterschiede sich dann gar nicht so sehr von der des Amtsinhabers Powell, möglicherweise mit mehr Bereitschaft, die Zinsen zu senken, bei gleichzeitig leichtem Bilanzabbau. Wenn die langfristigen Zinsen dadurch steigen, würde die Zinsstrukturkurve etwas steiler werden, was als gesundes Zeichen gesehen werden könnte. Die Schrumpfung könne wie der bisherige Bilanzabbau „weitgehend geräuschlos“ verlaufen, sagt Pimco-Ökonomin Tiffany Wilding. Sollte die Fed dies fortsetzen, dürften die Märkte kaum Notiz nehmen. Für die konkrete Geldpolitik macht es möglicherweise keinen Unterschied, ob Powell oder Warsh die Fed führt. Und Immobilienunternehmer Trump könnte – egal wer Notenbankchef ist – seinen Beschimpfungen von Schwachkopf bis Verlierer treu bleiben.

📝 Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung basierend auf Inhalten von Stern.de umgeschrieben.
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