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EU-Kommission will grenzüberschreitenden Bahnverkehr mit Einheitsticket revolutionieren

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Jonas Fischer
Wirtschaft - 20 Mai 2026

„Drei Apps, fünf Tabs und ein Stoßgebet“ – mit dieser provokativen Formel macht die grüne Europaabgeordnete Lena Schilling auf die Herausforderungen des grenzüberschreitenden Bahnreisens aufmerksam. Ihr Ziel: ein europaweites Ticket, das eine nahtlose Reise über den gesamten Kontinent ermöglicht.

Diesem Wunsch kommt die EU-Kommission nun möglicherweise entgegen. Mit dem am vergangenen Mittwoch vorgestellten „Passenger Package“ schlägt die Behörde vor, dass Reisende künftig nur noch ein einziges Ticket für Fahrten durch mehrere Länder benötigen, selbst wenn verschiedene Bahnbetreiber beteiligt sind. Experten bezeichnen den Vorstoß als radikal – im positiven wie im negativen Sinne.

Bislang müssen Fahrgäste für internationale Fahrten separate Buchungen bei den einzelnen Bahnunternehmen tätigen. Wer von Berlin nach Venedig reist, benötigt beispielsweise ein Ticket der Deutschen Bahn und eines der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) oder der Trenitalia. Zwar bieten die Bahnen Kooperationen an, sodass die Fahrt über die DB-Navigator-App buchbar ist, doch es fallen weiterhin mehrere Fahrscheine an.

Die Kommission will dies grundlegend ändern. „Die Fahrgäste berichten uns immer wieder dasselbe: Die beste Route zu finden, kann schwierig sein. Der Preisvergleich ist frustrierend. Die Buchung grenzüberschreitender Reisen ist zu kompliziert. Und die Fahrgastrechte im Falle eines verpassten Anschlusses sind unklar“, erklärte EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas bei der Präsentation. Künftig sollen große Ticketplattformen alle Optionen transparent und neutral anzeigen.

Bahnunternehmen mit dominanter Marktstellung müssten dann auf ihren Plattformen auch Tickets von Mitbewerbern anbieten, falls diese das wünschen. Die Deutsche Bahn müsste etwa Tickets von Flixtrain verkaufen, was sie bisher verweigert. Dafür wäre ein deutlich umfangreicheres Teilen von Daten zwischen den Unternehmen erforderlich. Die Kommission erhofft sich sinkende Preise durch mehr Wettbewerb.

Jon Worth, Blogger und grüner Aktivist, zeigt sich überrascht vom Umfang des Vorschlags: „Ich war erstaunt, dass der Vorschlag so radikal ist – und nicht nur im positiven Sinne.“ Er glaubt, dass insbesondere die etablierten Staatsbahnen mit dem Vorstoß hadern dürften: „Das ist ein harter Schlag gegen die Interessen insbesondere der staatlichen Eisenbahnfirmen.“

Die Deutsche Bahn hält sich bedeckt und begrüßt das Ziel der EU-Kommission „im Grundsatz“, will aber den Gesetzgebungsprozess abwarten. Der Lobbyverband CER, der die europäischen Bahnbetreiber vertritt, hat bereits klare Kritik geäußert. „Wir teilen die Vision der Kommission von nahtlosem Reisen. Doch Vorschriften werden nicht dazu beitragen, diese Vision schneller zu verwirklichen, als es die Eigeninitiative der Branche könnte, und bergen die Gefahr, genau die Probleme zu verursachen, die sie eigentlich lösen sollen“, so CER-Chef Alberto Mazzola. Insbesondere das verpflichtende Datenteilen sieht er kritisch.

Der CER argumentiert zudem, dass der grenzüberschreitende Zugverkehr bereits zunimmt und kein zwingender Bedarf für ein solches Ticket besteht. Die Deutsche Bahn verweist auf einen gemeinsamen Datenstandard, über den bereits Tickets von ÖBB, SBB, SNCF und Trenitalia angeboten werden. Seit Einführung dieses Standards seien die Buchungen von Fahrkarten für andere europäische Bahnen um 75 Prozent gestiegen.

Neben den Staatsbahnen konkurrieren private Ticketplattformen wie Trainline oder Omio. Sie finanzieren sich über Servicegebühren und Provisionen, was die Reise für Kunden verteuert. Omio begrüßt den EU-Vorschlag, vor allem wegen des erhofften Zugangs zu mehr Daten. „Aus unserer Sicht ist das eine ziemlich große Veränderung“, sagt Catriona Meehan, Sprecherin von Omio, gegenüber Capital. Anstatt individuell ausgehandelter Verträge könnte ein strukturierter Rechtsrahmen entstehen, der auch eine „faire Vergütung“ für private Verkäufer vorsieht. „Für uns ist mehr Wettbewerb immer eine gute Sache“, so Meehan.

Doch der größte Nutzen für Kunden könnte gar nicht im Einzelticket liegen, sondern in parallelen Maßnahmen zur Stärkung der Fahrgastrechte. Bislang haben Reisende bei Verspätungen im Ausland und verpassten Anschlüssen das Nachsehen, wenn sie mehrere Einzeltickets besitzen. Künftig sollen sie bei einem durchgehenden Ticket Anspruch auf kostenlose alternative Beförderung haben. Bei nächtlichem Stranden soll ein Hotelanspruch bestehen. Auch eine Erstattung des Fahrpreises wäre möglich – vorausgesetzt, der Fahrschein gilt als zusammenhängend und ausreichend Umstiegszeit wurde eingeplant.

Allerdings gibt es offene Fragen. Beispiel Deutschland: Wer mit dem Deutschlandticket zur österreichischen Grenze fährt und dort den Anschlusszug nach Venedig verpasst, würde von den neuen Fahrgastrechten nicht profitieren, weil kein durchgehendes Ticket vorliegt. „Muss ich also mehr bezahlen, um Fahrgastrechte zu bekommen?“, fragt Aktivist Jon Worth.

Hinzu kommen unterschiedliche Buchungshorizonte der Bahnen. In Deutschland sind Fahrten oft früher buchbar als in Ungarn. Die EU-Kommission schlägt eine Mindestbuchungsfrist von fünf Monaten vor, doch das dürfte noch Gegenstand von Verhandlungen sein. „Die Idee eines ‚Single Ticket‘ ist einfach zu verstehen, aber in den Details schwierig umzusetzen“, resümiert Worth.

Wie viel vom Einheitsticket letztlich Realität wird, bleibt abzuwarten. Der Gesetzgebungsprozess zwischen Kommission, EU-Parlament und Mitgliedstaaten steht bevor. Worth vermutet, dass die Staatsbahnen massiven Druck ausüben werden. Bis es tatsächlich keine Stoßgebete mehr braucht, könnte es bis 2030 dauern.

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📝 Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung basierend auf Inhalten von Stern.de umgeschrieben.
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