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Die Zahl der Internetanschlüsse mit einer Download-Bandbreite von mindestens einem Gigabit pro Sekunde wird in Deutschland voraussichtlich im Jahr 2026 erstmals die Zahl der Anschlüsse mit weniger als 16 Megabit pro Sekunde übertreffen. Laut einer Prognose des Marktforschungsinstituts Dialog Consult wird das Verhältnis dann bei 2,9 Millionen Gigabit-Anschlüssen zu 2,8 Millionen Schneckentempo-Anschlüssen liegen.
Die Analyse entstand im Auftrag des Verbands der Anbieter im Digital- und Telekommunikationsmarkt (VATM) und trägt den Titel „27. TK-Marktanalyse“. Sie zeigt einen anhaltenden Trend zu leistungsfähigeren Breitbandanschlüssen. Im Jahr 2025 verfügte bereits jeder vierte der insgesamt 37,7 Millionen Anschlüsse nominell über mehr als 250 Megabit pro Sekunde im Downstream. Allerdings vollzieht sich der Wechsel nur allmählich.
Über alle Anschlussformen hinweg hält die Deutsche Telekom einen Marktanteil von 40,1 Prozent. Vodafone, das vor allem in Kabelnetzen und im Glasfasermarkt aktiv ist, kommt auf gut ein Viertel. 1&1 bedient etwas mehr als ein Zehntel aller Endkunden. Das restliche knappe Viertel teilen sich die übrigen Wettbewerber. Bei der Anschlusstechnik dominiert weiterhin DSL: 22,8 Millionen Anschlüsse (60,5 Prozent) basieren auf Telefonkupferdrähten, 8,8 Millionen auf Breitbandkabel und 6,4 Millionen auf Glasfaser.
Der zunehmende Erfolg der Glasfaser „kannibalisiere“ DSL, sagt Andreas Walter von Dialog Consult. Er rechnet damit, dass bis Ende 2026 rund eine Million DSL-Nutzer zur Glasfaser wechseln werden, während die Zahl der Kabelanschlussnutzer etwa gleich bleibt. Dennoch bleibt DSL vorerst der Platzhirsch – und die Deutsche Telekom kann in diesem langsam schrumpfenden Segment ihren Marktanteil derzeit wieder ausbauen.
Die Entwicklung des Breitbandmarktes spielt in den laufenden politischen Diskussionen eine wichtige Rolle. „Ein Glasfaseranschluss, der am Haus vorbeiführt, aber nicht genutzt wird, ist kein Erfolg für die digitale Transformation“, betont VATM-Präsidentin Valentina Daiber. Der Ausbau schreite gut voran, doch jetzt seien verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen entscheidend. Mit der bevorstehenden Kupfer-Glasfaser-Migration werde eine neue Phase erreicht, in der eine effektive, asymmetrische Regulierung für fairen Wettbewerb sorgen müsse.
Was Daiber nicht explizit ausspricht: Die Konkurrenz befürchtet, dass die Deutsche Telekom ihren DSL-Vorteil weiter ausreizen will, während andere Anbieter das Nachsehen haben. Zwar gibt es in fast jedem Haus die Möglichkeit, einen schnelleren oder langsameren DSL-Zugang zu schalten. Doch wenn DSL schrittweise abgeschaltet wird, stellt sich die Frage, ob die Anschlussinhaber tatsächlich auf Glasfaser wechseln oder auf die ebenfalls kupferbasierten Koaxialfernsehkabel.
Letztere sind vor allem in Ballungsgebieten und Mehrfamilienhäusern präsent – also dort, wo viele Nutzer erreichbar und möglicherweise für Glasfaser zu gewinnen wären. Mit den anstehenden Regelungen zum Ausbau der Inhausverkabelung könnte ein direkteres Konkurrenzverhältnis entstehen. Dialog Consult rechnet vor, dass Ende 2026 rund 19,2 Millionen Haushalte gleichermaßen mit Glasfaser bis zum Gebäude oder zur Wohnung und mit HFC-Koaxialkabeln erreichbar sein werden.
Wie sich der Markt langfristig entwickelt, hängt von vielen Faktoren ab. Eine flächendeckende Glasfaserversorgung bleibt für Deutschland aber noch in weiter Ferne. Dialog Consult prognostiziert für das Jahr 2031 einen Glasfaserausbau von 97 Prozent oder 44,9 Millionen „Homes Passed“ – nach 41,4 Millionen im Jahr 2029, in dem die aktuelle Legislaturperiode des Bundestages endet. In einer pessimistischen Variante wären 2031 nur 40 Millionen Wohnsitze erreicht, am Ende der Legislaturperiode lediglich 36,5 Millionen. Da die Zahl der tatsächlich angeschlossenen Wohnsitze (Homes Connected) deutlich unter der Hälfte der Homes Passed liegt, würde die im Koalitionsvertrag vereinbarte „flächendeckende Versorgung“ mit Glasfaser nicht erreicht.
Insbesondere bei der Deutschen Telekom besteht weiterhin ein großes Delta zwischen Homes Passed, Connected und Activated, unterstreicht Dialog Consult. Demnach würde die Telekom im Jahr 2026 etwa 15,1 Millionen Haushalte grundsätzlich erreichen können, 3,8 Millionen Haushalte anschließen – aber nur 2,7 Millionen Anschlüsse wären auch aktiv gebucht. Aufgrund ihrer DSL-Kundschaft habe die Telekom möglicherweise keinen größeren Bedarf. Über alle Zugangstechniken hinweg vereine sie weiterhin 65,9 Prozent aller Anschlüsse. Bei den Wettbewerbern stünden 16,9 Millionen Homes Passed 8,7 Millionen Homes Connected und 5,1 Millionen aktive Anschlüsse gegenüber.
Eine in vielen anderen Ländern übliche Entwicklung – dass Mobilfunk das stationäre Festnetz ersetzt – zeichnet sich in Deutschland weiterhin nicht ab. Andreas Walter meint, dass sich dies ändern könnte, sobald DSL abgeschaltet werde. Möglicherweise spielten auch die bisherigen Versuche von Mobilfunkunternehmen, den stationären Einsatz von SIM-Karten zu unterbinden, eine Rolle. Statistisch ist der Unterschied deutlich: Aufgrund begrenzter Datenvolumina in den gängigen Tarifen werden im Mobilfunk dieses Jahr voraussichtlich 15,4 Exabyte Daten übertragen, während es im Festnetz laut Dialog-Consult-Schätzung über 187 Exabyte sein werden. Pro Anschluss und Monat sind das 11,5 Gigabyte bei SIM-Karten für stationäre Datennutzung (ohne M2M), aber 412,3 Gigabyte über das Festnetz.
Keine relevante Rolle werden in absehbarer Zeit Starlink spielen, sind sich die Marktforscher sicher. Anders der Richtfunk: Dieser bindet nach wie vor gut ein Drittel aller 95.000 Mobilfunksendestationen an. Allerdings wird sich das ändern müssen, denn als hochkapazitive Netze sollen künftig nur noch solche mit eigener Gigabitanbindung gelten – was Richtfunk in der Regel nicht leisten kann.
