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Viele greifen im Frühling zur halb vollen Sonnencreme-Flasche aus dem Vorjahr. Doch Vorsicht: Alte Sonnenmilch verliert mit der Zeit ihre Schutzwirkung und kann sogar gesundheitsschädlich werden. Experten raten daher dringend zum Neukauf.
Auf der Verpackung finden Verbraucher:innen einen geöffneten Tiegel mit einer Zahl, zum Beispiel „12 M“. Das bedeutet, dass die Sonnencreme nach dem Öffnen maximal zwölf Monate lang verwendet werden darf. Nur in diesem Zeitraum garantiert der Hersteller die volle Wirksamkeit.
Falsche Lagerung verkürzt die Haltbarkeit zusätzlich: Wird die Sonnenmilch etwa großer Hitze ausgesetzt oder lagert längere Zeit im warmen Auto, büßt sie ihre Schutzwirkung deutlich schneller ein. Oxidation durch eindringenden Sauerstoff verändert die Inhaltsstoffe.
Hautarzt Professor Eckhard Breitbart rät im Gespräch mit der „Apotheken Umschau“ grundsätzlich zu einer neuen Packung. Er erklärt: „Ist die Sonnenmilchflasche geöffnet, tritt Sauerstoff ein. Der Sauerstoff führe zur Oxidation und dieser Vorgang führe dazu, dass sich die Inhaltsstoffe verändern und damit die Schutzfunktion nicht mehr korrekt aufrechterhalten werden könne.“
Eine Studie der Sorbonne und des französischen Forschungsinstituts CNRS aus dem Jahr 2021 deckt ein weiteres Risiko auf: In Sonnenmilch mit dem chemischen UV-Filter Octocrylen entsteht bei längerer Lagerung das Molekül Benzophenon. Dieser Stoff gilt als möglicherweise krebserregend und kann Allergien auslösen.
Die Forschenden untersuchten 17 Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 50. 16 davon enthielten Octocrylen. Sie lagerten die Cremes sechs Wochen lang bei 40 Grad Celsius und 75 Prozent Luftfeuchtigkeit – ein Zustand, der etwa einem Jahr Lagerung bei Zimmertemperatur entspricht.
Bereits im frischen Zustand fanden die Wissenschaftler:innen in den Octocrylen-haltigen Cremes durchschnittlich 39 Milligramm Benzophenon pro Kilogramm. Nach den sechs Wochen stieg die Konzentration auf 75 mg/kg an – nahezu eine Verdopplung. In der Creme ohne Octocrylen ließ sich kein Benzophenon nachweisen.
Die Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass mineralische UV-Filter wie Titandioxid oder Zinkoxid stabiler sind. Cremes mit diesen Inhaltsstoffen können daher länger verwendet werden. Ob ein Produkt Octocrylen enthält, erkennen Verbraucher:innen an der Angabe „Octocrylene“ auf der Inhaltsstoffliste.
Fazit: Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft jedes Jahr neue Sonnencreme – insbesondere bei chemischen Filtern. Alte Tuben gehören in den Restmüll, nicht auf die Haut. Die von der Apotheken Umschau, der Sorbonne und der Verbraucherzentrale NRW zitierten Erkenntnisse unterstreichen die Risiken alter Sonnenmilch.
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