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Die renommierte Zukunftsforscherin Amy Webb prognostiziert eine radikale Transformation des Internets bis zum Jahr 2035. Ihrer Analyse zufolge werde das Netz der Zukunft nicht mehr primär für Menschen entwickelt, sondern von und für Maschinen. Diese Entwicklung markiere einen grundlegenden Wandel, der die digitale Infrastruktur aus den Angeln heben könnte.
Webb, Gründerin des Future Today Institute und Professorin an der New York University, gilt als eine der führenden Expertinnen für technologische Megatrends. In ihren jährlichen Trendberichten und Büchern analysiert sie regelmäßig die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien. Im Gespräch mit t3n erläutert sie nun, warum Künstliche Intelligenz das Internet gerade grundlegend verändert.
Die Antwort auf die Frage, wie das Internet 2035 aussehen werde, fällt eindeutig aus: „Die nächste Version des Internets wird nicht für Menschen entwickelt, sondern von und für Maschinen. Das Web des Jahres 2035 wird weitgehend unsichtbar sein. Nicht verschwunden, sondern schlicht unsichtbar.“
Webb zufolge werden Browser-Tabs, Suchleisten und kuratierte Feeds der Vergangenheit angehören. Diese Elemente seien Relikte einer Übergangsphase, „die im Rückblick ebenso kurios wirken wie das AOL-Keyword aus den 90er-Jahren“.
An ihre Stelle trete eine allgegenwärtige Ebene computergestützter Intelligenz. Diese antizipiere Bedürfnisse noch bevor sie artikuliert werden. Die Ausführung geschehe automatisch, ohne dass der Mensch darum bitten müsse. „Menschen werden mit dem Internet so interagieren, wie sie es mit Elektrizität tun – nicht, indem sie es besuchen, sondern indem sie davon ausgehen, dass es stets in ihrem Interesse arbeitet“, erläutert die Futuristin.
Dieser Paradigmenwechsel hat tiefgreifende Folgen. Die zentrale Rolle werde künftig KI-Agenten zufallen, die als unsichtbare Vermittler zwischen Mensch und digitaler Welt fungieren. Statt aktiv nach Informationen zu suchen, delegieren Nutzer Aufgaben an intelligente Systeme.
Webb spricht von einer „fundamentalen Neuorganisation des digitalen Raums“. Die Mensch- Maschine-Interaktion werde sich grundlegend wandeln: weg vom grafischen Interface hin zur kontextbasierten, vorausschauenden Assistenz. Diese Entwicklung sei bereits in Ansätzen erkennbar.
Die Frage nach einer möglichen Superintelligenz beantwortet die Expertin differenziert. Es entstehe nicht eine einzige, übermächtige KI, sondern ein Netz spezialisierter, miteinander kommunizierender Systeme. Dies sei „deutlich interessanter als eine einzelne Superintelligenz“.
Webb betont, dass diese Entwicklung nicht zwangsläufig bedrohlich sei. Sie erfordere jedoch eine bewusste Gestaltung. „Wir müssen uns jetzt überlegen, in welcher Form wir diese Systeme in unser Leben integrieren wollen. Die Weichen werden in den kommenden Jahren gestellt.“
Die wirtschaftlichen Implikationen sind enorm. Geschäftsmodelle, die auf Werbung und Aufmerksamkeitsökonomie basieren, dürften an Bedeutung verlieren. Stattdessen gewinnen Abonnement-Modelle für KI-Dienste und Pay-per-Use-Lösungen an Relevanz.
Ein zentrales Problem sieht Webb in der Datensouveränität. Wer die Daten liefert, die KI-Agenten antreiben, müsse auch die Kontrolle behalten. Die Zukunftsforscherin plädiert für transparente Systeme, die Nutzern die Hoheit über ihre Informationen lassen.
Die gesellschaftliche Dimension ist nicht minder wichtig. Die digitale Kluft könnte sich vertiefen, wenn die unsichtbare Intelligenz nicht allen gleichermaßen zugänglich ist. „Wir brauchen ein Internat der Dinge – im Sinne von Internet für alle“, so Webb.
Die Entwicklung verlaufe nicht linear. Rückschläge und Überraschungen seien programmiert. Dennoch zeichne sich der Trend klar ab: Das Internet wird sich von einem Ort, den Menschen besuchen, zu einer Infrastruktur wandeln, die im Hintergrund arbeitet.
Diese Vision wirft auch ethische Fragen auf. Wie viel Autonomie will der Mensch abgeben? Wo liegen die roten Linien? Webb fordert eine breite gesellschaftliche Debatte, die nicht nur Techniker, sondern alle gesellschaftlichen Gruppen einbezieht.
Die Prognose der Zukunftsforscherin ist kein Science- Fiction-Szenario, sondern basiert auf konkreten technologischen Trends. KI-Agenten, Augmented Reality und das Internet der Dinge verschmelzen zu einer neuen digitalen Erfahrungsebene.
Webb abschließend: „Die entscheidende Frage ist nicht, ob diese Veränderung kommt, sondern wie wir sie gestalten. Wir haben jetzt die Chance, die Weichen zu stellen – danach wird es schwieriger, Korrekturen vorzunehmen.“
