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Die Auktionsplattform Ebay hat das Übernahmeangebot des Videospielhändlers Gamestop in Höhe von 56 Milliarden Dollar zurückgewiesen. Das Angebot sei „weder glaubwürdig noch attraktiv“, erklärte Verwaltungsratschef Paul Pressler in einem Schreiben.
Gamestop bietet 125 US-Dollar pro Ebay-Aktie, je zur Hälfte in bar und in eigenen Aktien. CEO Ryan Cohen bezeichnete den dahinterstehenden Plan zuvor als „entweder genial oder totaler Schwachsinn“. Ziel sei es, Gamestop zu einem 100 Milliarden Dollar schweren Handelskonzern umzubauen.
Analysten und Marktbeobachter zeigten sich wenig überzeugt von der Offerte. Auch der Ebay-Verwaltungsrat schloss sich der Skepsis an. Pressler nannte neben der mangelnden Glaubwürdigkeit auch operative Risiken und die geplante Schuldenlast als Hauptargumente gegen eine Zustimmung.
Unklar bleibt, wie Gamestop die Übernahme finanzieren will. Das Unternehmen ist an der Börse nur rund 10,3 Milliarden Dollar wert, während Ebay auf eine Marktkapitalisierung von gut 48 Milliarden Dollar kommt, wie CNBC berichtet.
Gamestop verfügt eigenen Angaben zufolge über rund neun Milliarden Dollar an liquiden Mitteln. Eine geleakte Notiz der TD Bank deutet auf eine zugesagte schuldenbasierte Finanzierung in Höhe von 20 Milliarden Dollar hin. Zusammen mit den eigenen Aktien bleibt eine milliardenschwere Finanzierungslücke.
Die Kreditratingagentur Moody’s warnte nach Bekanntwerden der Offerte, eine schuldenfinanzierte Übernahme könne die Kreditwürdigkeit von Ebay massiv belasten. Das Risiko einer Herabstufung bestehe, so die Agentur.
Ebay-Verwaltungsratschef Pressler betonte die Unsicherheit bezüglich der Finanzierung des Deals. Die Schuldenlast, die sich aus der geplanten Transaktion ergäbe, wäre für Ebay nicht tragbar. Auch deshalb lehne der Verwaltungsrat das Angebot ab.
Die Ablehnung durch den Verwaltungsrat bedeutet jedoch nicht das Ende der Übernahmepläne. Cohen kündigte an, das Angebot direkt den Ebay-Aktionären zu unterbreiten. Diese würden von einem Aufschlag von rund 20 Prozent gegenüber dem Ebay-Kurs vor Bekanntwerden des Angebots profitieren.
Ob die Aktionäre der Offerte zustimmen, ist offen. Analysten weisen darauf hin, dass die Finanzierungslücke und die Risiken einer hohen Verschuldung abschreckend wirken könnten. Ein Zusammenschluss der beiden Unternehmen sei strategisch fragwürdig.
Gamestop ist vor allem als stationärer Videospielhändler bekannt und kämpft seit Jahren mit rückläufigen Umsätzen. Ebay hingegen ist eine der größten Online-Auktionsplattformen weltweit. Die unterschiedlichen Geschäftsmodelle bereiten Beobachtern Kopfzerbrechen.
Ryan Cohen, der als treibende Kraft hinter der Gamestop-Meme-Aktienrallye gilt, verfolgt mit der Übernahme offenbar den Plan, sein Unternehmen breiter aufzustellen. Er will einen Handelskonzern formen, der sowohl physische als auch digitale Märkte bedient.
Die Skepsis der Analysten ist groß. Viele sehen in dem Deal einen Ausdruck von Cohens Risikobereitschaft, bezweifeln aber die Realisierbarkeit. Die Aktie von Ebay reagierte verhalten auf die Nachricht, während Gamestop-Aktien leicht nachgaben.
Experten verweisen auf die historisch schwierige Integration großer Unternehmen. Selbst bei erfolgreicher Finanzierung wäre die Zusammenführung von Gamestop und Ebay eine enorme Herausforderung. Kulturelle und operative Differenzen könnten den Wert der Transaktion mindern.
Die Schuldenlast, die Ebay nach der Übernahme trüge, wäre erheblich. Moody’s hat bereits angedeutet, das Rating von Ebay zu überprüfen. Ein Downgrade würde die Refinanzierungskosten des Unternehmens erhöhen und die Bilanz weiter belasten.
Cohen zeigt sich weiterhin entschlossen. Er argumentiert, die Synergien zwischen den beiden Plattformen seien unterschätzt. Ein Zusammenschluss könnte die Marktposition beider Unternehmen stärken und neue Wachstumschancen eröffnen.
Der Zeitplan der Übernahme bleibt unklar. Gamestop hat noch kein formelles Angebot an die Ebay-Aktionäre verschickt. Sollte Cohen seinen Plan durchziehen, müsste er weitere Finanzierungsquellen erschließen oder den Kaufpreis nachverhandeln.
Die Finanzmärkte beobachten die Entwicklung mit Spannung. Ein erfolgreicher Deal wäre eine der größten Übernahmen in der Handelsbranche. Ein Scheitern könnte Cohens Glaubwürdigkeit bei Investoren beschädigen.
Das Ebay-Management bleibt bei seiner ablehnenden Haltung. Pressler betonte, man wolle das Unternehmen eigenständig weiterentwickeln. Die kürzliche Veräußerung von Geschäftsbereichen zeige, dass Ebay auf Fokussierung setze.
Fachleute halten eine Übernahme durch Gamestop derzeit für unwahrscheinlich. Die Finanzierungslücke, die rechtlichen Hürden und der fehlende Rückhalt des Ebay-Managements seien zu große Hindernisse. Dennoch bleibt ein Überraschungsangriff auf die Hauptversammlung möglich.
