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Beim Bankett zu Ehren von US-Präsident Donald Trump in Peking vergangene Woche zeigt ein Screenshot des chinesischen Staatsfernsehens CCTV eine bemerkenswerte Konstellation: Zur Rechten von Zhou Qunfei sitzt Tesla-Chef Elon Musk, zu ihrer Linken Apple-CEO Tim Cook. Die Frau in der Mitte, die Arme auf dem Tisch verschränkt, ist die zentrale Figur zwischen zwei der mächtigsten Männer der Technologiebranche.
Zhou Qunfei zählt zu den vermögendsten Frauen Chinas. Das Magazin „Forbes“ schätzt ihr Vermögen auf rund 18,8 Milliarden Dollar. Sie gilt als Selfmade-Milliardärin, die aus ärmsten Verhältnissen kommend den Technologiekonzern Lens Technology aufbaute. Das Unternehmen liefert heute Smartphone-Glasscheiben an Apple, Samsung und Tesla.
Die Milliardärin wird 1970 als jüngstes von drei Geschwistern in einem kleinen Dorf in der ostchinesischen Provinz Hunan geboren. Die Region ist von Landwirtschaft geprägt. Zhou sagte der „New York Times“ 2015: „In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, hatten viele Mädchen keine Wahl, ob sie die Mittelschule besuchen wollten. Sie wurden verlobt oder heirateten und verbrachten ihr ganzes Leben in diesem Dorf.“
Ihre Familie zieht Schweine und Enten auf, Zhou muss früh mithelfen. Als sie fünf Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter. Ihr Vater verliert später bei einem Arbeitsunfall einen Finger und erblindet größtenteils. Eine ehemalige Lehrerin beschreibt Zhou als gute Schülerin: „Ich habe einmal ihren Aufsatz ‚Meine Mutter‘ in der Klasse vorgelesen. Er war so bewegend, dass alle zu Tränen gerührt waren.“
Trotz ihrer schulischen Begabung verlässt Zhou die Schule mit 16 Jahren vorzeitig. Sie reist in die südchinesische Stadt Shenzhen und arbeitet dort als Fließbandarbeiterin in einer Fabrik, die Uhrengläser fertigt – bei niedrigem Gehalt und langen Arbeitszeiten.
Mit 22 gründet sie gemeinsam mit Verwandten eine eigene Werkstatt. Das Startkapital beträgt 3000 Dollar. Sie bringt sich selbst den Glasdruck bei. Nach und nach gewinnt sie immer mehr Kunden.
Ihre Arbeitseinstellung beschreibt die „New York Times“ vor gut zehn Jahren als obsessiv. Ihre Wohnung befindet sich hinter einer Tür in der Lens-Technology-Fabrik in Changsha. „Manchmal setzt sie sich hin und arbeitet als Maschinistin, um zu prüfen, ob beim Ablauf etwas nicht stimmt“, zitiert die Zeitung James Zhao, Geschäftsführer bei Lens Technology. „Das bringt mich in eine sehr unangenehme Lage. Wenn es ein Problem gibt, fragt sie: ‚Warum hast du das nicht bemerkt?‘“
Der entscheidende Anruf kommt 2003 von Motorola. Das Unternehmen sucht einen Zulieferer für stabiles Glas für Handyscreens, das bis dahin meist aus Plastik bestand. Zhou erinnert sich gegenüber der „New York Times“: „Ich erhielt diesen Anruf, und man sagte mir: ‚Antworten Sie einfach mit Ja oder Nein, und wenn die Antwort Ja lautet, helfen wir Ihnen bei der Abwicklung.‘ Ich sagte Ja.“ Dieser Auftrag leitet den Aufstieg von Lens Technology ein.
Heute liefert Zhous Unternehmen Glas für Apple-Displays, aber auch für zahlreiche Autohersteller – etwa für Smart-Cockpits. Lens Technology ist weltweit tätig, auch in Deutschland gibt es Büros. Der Börsengang erfolgte 2015. Laut „Forbes“ machte Lens Technology im vergangenen Jahr einen Umsatz von 9,8 Milliarden Dollar und einen Gewinn von über 500 Millionen Dollar.
Für Elon Musk ist Zhou Qunfei nicht nur als Tesla-Zulieferin von Bedeutung. Im vergangenen Jahr gab Lens Technology bekannt, massiv in die Montage von humanoiden Robotern einzusteigen – ein Bereich, in dem Musk ebenfalls aktiv ist. Ihr Sitzplatz an der Tafel in Peking dürfte daher wohlüberlegt gewesen sein.
