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Schweizer Armee lehnt Palantir ab: Klage gegen Journalisten

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Sarah Hoffmann
Technologie - 18 Mai 2026

Die Schweizer Tech-Journalistin Adrienne Fichter vom Magazin Republik und ihre Kollegen stellten rund 60 Transparenz-Anfragen an Schweizer Behörden, um die Nutzung der Software von Palantir zu ermitteln. Das Ergebnis: Keine Bundesbehörde arbeitet mit dem US-Datenanalyseanbieter zusammen. Doch die Recherche förderte einen internen Evaluationsbericht des Schweizer Armeestabs zutage, der erhebliche Bedenken äußerte.

Der Bericht kommt unter anderem zu dem Schluss, dass die Software Probleme mit den Grundrechten aufwerfen könnte. Die Armee entschied sich daher gegen eine Beschaffung. „Wir wollten wissen, welche Bundesbehörden die Software von Palantir nutzen“, sagt Fichter im c’t-Podcast „They Talk Tech“ mit Svea Eckert und Eva Wolfangel.

Palantir Technologies ist in Europa weit verbreitet, kooperiert in Deutschland, Großbritannien und anderen Ländern mit Behörden, Armee und Geheimdiensten. Die Frage nach der Vereinbarkeit mit demokratischen Grundrechten wird selten so klar beantwortet wie in der Schweiz. Noch seltener zieht eine solche Antwort rechtliche Konsequenzen für die Berichterstatter nach sich.

Die Software überzeugt laut Bericht in der Visualisierung von Bewegungen und der Auswertung unstrukturierter Daten, doch die Fachleute der Armee sprachen eine klare Nichtbeschaffungsempfehlung aus. Neben Grundrechtsbedenken bemängelten sie die mangelnde Kontrollierbarkeit und die Gefahr, dass sensible Daten in US-Rechenzentren abfließen könnten. „Wenn wir das nicht selber testen können, können wir das für unproblematische Datenflüsse benutzen, aber nicht für die sensiblen“, fasst Fichter zusammen.

Die Recherche fand international Beachtung. Der Guardian berichtete, Abgeordnete im britischen Unterhaus fragten die Regierung, warum sie die Zusammenarbeit mit Palantir ausbauen wolle, wenn die Schweizer Armee Bedenken habe. Auch in Deutschland stieß der Bericht auf Fragen, wie Fichter erfuhr. „Es hat Palantir in einer empfindlichen Phase getroffen, weil sie offenbar Mühe haben, in Europa zu expandieren“, sagt sie.

Das Unternehmen kämpfe darum, in Europa als Erfolgsgeschichte dazustehen. Ein Nein der Schweizer Armee passe nicht in dieses Bild. Die Republik deckte zudem auf, wie intensiv Palantir um Schweizer Behörden warb: Über sieben Jahre hinweg habe der Konzern permanent Kontakt gesucht, um bei Bundesämtern Fuß zu fassen.

Gerade weil es keine klassische Enthüllungsgeschichte war, sondern eine Geschichte des Scheiterns, traf sie den Konzern hart. „Dieses Narrativ des Versagens, das wollten sie bekämpfen“, so Fichter. Palantirs rechtliche Reaktion erfolgte Ende Dezember 2025 mit einer Klage, die noch läuft. Eine Anwaltskanzlei forderte eine Gegendarstellung, weitere Schriftsätze folgten.

„Unser Anwalt sagt, das ist American Style“, berichtet Fichter: Viele absurde Punkte, die den Journalistinnen Zeit für weitere Recherchen raubten. Die Kanzlei wertete sogar Fichters LinkedIn-Posts aus, um ihre angebliche Voreingenommenheit zu belegen. Die inhaltlichen Forderungen seien kaum ernst zu nehmen: Man dürfe nicht das Wort „Verkaufskampagne“ verwenden, einen Firmensprecher nicht als Mediensprecher bezeichnen, Guardian-Artikel nicht als Quelle zitieren.

Das Vorgehen habe „Slap-Charakter“ – eine strategische Klage, die einschüchtern und von weiterer Arbeit abhalten soll. Palantir habe sich mit der Klage keinen Gefallen getan, denn erst dadurch wurde international diskutiert, dass die Schweiz die Software wegen Grundrechten und Intransparenz ablehnt.

Im c’t-Podcast „They Talk Tech“ besprechen Svea Eckert und Eva Wolfangel außerdem den Social-Engineering-Angriff, bei dem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und weitere Abgeordnete ihre Signal-Accounts verloren. Angreifer griffen legitime Verifikationscodes ab, um fremde Geräte an bestehende Konten zu koppeln – Signal selbst wurde dabei nicht gehackt.

„They Talk Tech“ erscheint jeden Mittwoch überall, wo es Podcasts gibt. Svea Eckert und Eva Wolfangel diskutieren ein Tech-Thema oder treffen inspirierende Frauen aus und rund um die Tech-Welt.

📝 Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung basierend auf Inhalten von Heise Online umgeschrieben.
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