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Der südkoreanische Tech-Konzern Samsung erzielt dank der steigenden KI-Nutzung Rekordgewinne. Doch die Gewinnverteilung führt zu Spannungen: Rund 48.000 gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter drohten mit einem 18-tägigen Generalstreik. Jetzt konnte eine vorläufige Einigung erzielt werden.
Der KI-Boom hat die Nachfrage nach Halbleitern stark ansteigen lassen. Die daraus resultierenden Gewinne werden jedoch nicht gleichmäßig verteilt, was bei Samsung zu einem Konflikt mit potenziell globalen Folgen führte. Die Gewerkschaft hatte den Streik angedroht, wie die Wirtschaftswoche berichtet.
Wie ZDF Heute auf Grundlage einer DPA-Pressemitteilung berichtet, erzielte Samsung im ersten Quartal 2026 den höchsten Gewinn seit der Unternehmensgründung. Für Januar bis März 2026 beläuft sich dieser auf 57,2 Billionen Won, umgerechnet knapp 33 Milliarden Euro. Verglichen mit dem Vorjahr steigerte sich der Gewinn etwa um das Achtfache.
Rund 94 Prozent des Gesamtgewinns entfielen auf die Halbleitersparte. Hintergrund des Konflikts ist die Höhe der Jahresboni für Mitarbeiter dieser Abteilung. Die Gewerkschaft fordert dauerhaft 15 Prozent des jährlichen Betriebsgewinns als Bonuszahlungen.
Basierend auf einem prognostizierten Jahresgewinn von rund 300 Billionen Won entspräche das einem durchschnittlichen Bonus von etwa 350.000 Euro pro Mitarbeiter. Derzeit sind die Boni auf 50 Prozent des Grundgehalts begrenzt. Samsung argumentiert, die Halbleiterbranche unterliege starken Schwankungen, weshalb man sich nicht langfristig auf hohe Boni festlegen könne.
Zudem müssten große Summen für Investitionen zurückgehalten werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Nach mehreren gescheiterten Verhandlungsrunden kündigte die Gewerkschaft den Streik an. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, wurden die Gespräche erst nach dem Eingreifen von Arbeitsminister Kim Young-hoon wieder aufgenommen.
Da Samsung für die südkoreanische Wirtschaft von großer Bedeutung ist, hätte die Regierung auch eine Zwangsschlichtung einleiten können. Kurz vor dem geplanten Streikbeginn erzielten die Parteien eine vorläufige Einigung. Die Gewerkschaft teilte mit, den Streik auszusetzen und die Vereinbarung den Mitgliedern zur Abstimmung vorzulegen.
Der für 18 Tage angesetzte Generalstreik hätte weltweite Lieferengpässe verschärfen können. Wie die DPA auf Basis eines internen Berichts der südkoreanischen Zentralbank mitteilt, hätte dieser das Wirtschaftswachstum des Landes um 0,5 Prozentpunkte gebremst – mit potenziellen Verlusten von rund 20 Milliarden Dollar, so die Nachrichtenagentur Yonhap.
Auch die US-amerikanische Handelskammer in Südkorea warnte, ein Streik könne globale Lieferketten unterbrechen und Südkoreas Ruf als verlässlichen Technologiestandort beschädigen.
Präsident Lee Jae-myung, seit dem vergangenen Jahr im Amt, äußerte sich zu dem Konflikt. „Arbeitnehmer sollen für ihre Arbeitsleistung eine angemessene Entlohnung erhalten können“, schrieb er in einem Post auf X. Zugleich betonte er, dass auch Aktionäre Anspruch auf ihren Anteil am Unternehmensgewinn hätten.
In einer früheren Stellungnahme hatte Lee die Gewerkschaftsforderungen als „exzessiv” bezeichnet. Diese Äußerung war insofern bemerkenswert, als dass der Politiker selbst aus dem linken Lager mit gewerkschaftlichem Hintergrund stammt.
Wie der Konflikt letzten Endes ausgeht, bleibt abzuwarten. Für Samsung hat der Streit mit den Gewerkschaften aber schon jetzt spürbare Folgen: Zahlreiche Mitarbeiter wandern zum Konkurrenten SK Hynix ab.
SK Hynix hat die Obergrenzen für Bonuszahlungen abgeschafft und koppelt sie direkt an den operativen Gewinn. Da auch dieses Unternehmen Rekordumsätze verzeichnet, erhalten die Beschäftigten dort laut Gewerkschaft dreimal so hohe Boni wie bei Samsung.
Die Gewerkschaft hatte ursprünglich 15 Prozent des Betriebsgewinns als Bonus gefordert. Samsung lehnte dies mit Hinweis auf Branchenschwankungen ab. Nun liegt ein Kompromissvorschlag auf dem Tisch, der noch der Zustimmung der Basis bedarf.
Experten sehen in dem Fall einen Präzedenzfall für die Tech-Branche. Wenn die Forderungen durchgesetzt werden, könnten andere Konzerne unter ähnlichen Druck geraten, vor allem in Südkorea, wo Arbeitskonflikte selten sind.
Samsung selbst betont die Notwendigkeit von Investitionen in Zukunftstechnologien. Das Unternehmen plant, in den kommenden Jahren Milliarden in KI-Chips und Halbleiterfertigung zu stecken.
Die Arbeiter hingegen sehen ihre Leistung durch den Rekordgewinn bestätigt. Viele fühlen sich übergangen, seitdem die Boni trotz steigender Gewinne nicht entsprechend angepasst wurden. Die Abwanderung zu SK Hynix zeigt die Unzufriedenheit.
Die südkoreanische Regierung schaltet sich zunehmend in Arbeitskonflikte ein. Arbeitsminister Kim Young-hoon betonte die Bedeutung von Samsung für die nationale Wirtschaft und drängte auf eine schnelle Lösung.
Parallel laufen in Südkorea Debatten über die Rolle von Gewerkschaften in der Tech-Branche. Kritiker warnen vor überzogenen Forderungen, die die Wettbewerbsfähigkeit gefährden könnten. Befürworter verweisen auf die hohen Gewinnmargen der Unternehmen.
Für Samsung kommt der Konflikt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das Unternehmen steckt in einem globalen Wettlauf um KI-Chips mit Konkurrenten wie TSMC und Intel. Jede Betriebsstörung könnte Marktanteile kosten.
Die Einigung vorerst abgewendet, aber das Risiko bleibt. Sollte die Basis die Vereinbarung ablehnen, könnte der Streik wieder auf der Tagesordnung stehen. Samsung hat bereits Notfallpläne für die Produktion erstellt.
Beobachter rechnen mit einem langwierigen Verhandlungsprozess. Die Gewerkschaft ist entschlossen, die Interessen ihrer Mitglieder durchzusetzen. Samsung hält an seiner Position fest, dass die Höhe der Boni flexibel bleiben muss.
Die Weltwirtschaft blickt gespannt auf die Entwicklung. Sollte der Streik doch noch stattfinden, wären die Lieferketten für Speicherchips weltweit betroffen – mit Folgen für die gesamte Tech-Industrie.
