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Nach massiven Investitionen und vielversprechenden Neuentwicklungen kämpft der US-Batteriemarkt mit einer schweren Krise. Selbst aussichtsreiche Technologien für Lithium-Ionen-Akkus scheitern. Eine Analyse der angespannten Marktlage.
Noch vor wenigen Jahren erlebte die Batterieindustrie einen ungeahnten Boom. Unzählige Start-ups drängten mit neuartigen Chemikalien und Rekordfinanzierungen auf den Markt. Die Herausforderung für die Medien bestand darin, aus der Flut an Informationen die interessantesten Entwicklungen zu filtern.
Doch die Stimmung hat sich grundlegend gewandelt: Im Jahr 2026 dominieren nicht mehr Erfolgsgeschichten die Schlagzeilen, sondern Rückschläge und regelrechte Zusammenbrüche.
Unternehmen scheitern, Investoren ziehen ihre Mittel ab, und die Nachfrage nach Batterien, insbesondere für Elektrofahrzeuge, hat merklich nachgelassen.
Anfang März berichtete Steve Levine von „The Information“, dass 24M Technologies, ein 2010 gegründetes US-Batterieunternehmen, seinen Betrieb eingestellt hat und nun sein Eigentum versteigert wird. Offizielle Stellungnahmen blieben aus.
Diese Entwicklung ist symptomatisch und markiert einen Wendepunkt für die gesamte Branche. Immerhin war 24M einst über eine Milliarde US-Dollar wert.
Die Innovationen des Unternehmens hätten grundsätzlich mit der bestehenden Lithium-Ionen-Technologie funktioniert. Wo also steht die Batterieindustrie heute?
In den vergangenen Jahren versuchten zahlreiche prominente Batterie-Start-ups, neue chemische Verfahren zu etablieren, um mit den etablierten Lithium-Ionen-Akkus zu konkurrieren. Diese sind nach wie vor die dominierende Energiequelle von Smartphones über Laptops bis hin zu Elektrofahrzeugen und Netzspeichern.
Parallel dazu wurden Natrium-Ionen-Batterien und Festkörperzellen intensiv erforscht.
24M verfolgte einen anderen Ansatz: Das Unternehmen wollte Lithium-Ionen nicht ersetzen, sondern verbessern. Die zentrale Innovation lag in einem Herstellungsverfahren, bei dem Materialien auf Metallbleche aufgetragen wurden, um die Elektroden zu formen. Dies sollte einfacher und potenziell kostengünstiger sein als herkömmliche Methoden.
Die Batterieschichten des Unternehmens waren dicker, wodurch sich der Anteil inaktiver Materialien in den Zellen reduzierte und die Energiedichte stieg.
Dadurch ließe sich mehr Energie in einem kleineren Gehäuse speichern, was die Reichweite von Elektrofahrzeugen erhöht. Das Unternehmen hatte ambitioniert das Ziel einer Batterie mit einer Reichweite von rund 1.600 Kilometern ausgegeben.
Bis heute ist unklar, was genau zum Scheitern von 24M geführt hat und wie es mit der Technologie weitergeht. Das Unternehmen reagierte weder auf E-Mails noch auf Anrufe. Auch Mitbegründer und MIT-Professor Yet-Ming Chiang lehnte eine öffentliche Stellungnahme ab.
Für aufmerksame Beobachter der Batterieindustrie kommen die Hiobsbotschaften nicht überraschend. Derzeit scheinen alle Akteure unter Geldmangel zu leiden.
Je knapper die Finanzmittel werden, desto geringer ist die Bereitschaft, in neuartige Konzepte zu investieren. „Es scheint einfach so, als gäbe es nicht viel Appetit auf Innovationen“, sagt Kara Rodby, technische Leiterin bei der auf Energiespeicher spezialisierten Risikokapitalgesellschaft Volta Energy Technologies.
Natron Energy, eines der führenden Natrium-Ionen-Start-ups in den USA, stellte im September vergangenen Jahres seinen Betrieb ein. Ample, ein Unternehmen für den Austausch von E-Fahrzeugbatterien, meldete im Dezember Insolvenz an.
Es war absehbar, dass es im Zuge des jüngsten Batteriebooms auch zu Fehlschlägen kommen würde. Das Geld floss in alle möglichen Unternehmen – darunter einige mit äußerst gewagten Ideen.
Doch die vergangenen Monate haben gezeigt, dass der Batteriemarkt selbst für relativ sichere Anlagen erbarmungslos ist.
Da die Technologie von 24M auf die Integration in bestehende Lithium-Ionen-Chemie ausgelegt war, hätte sie für etablierte Batteriehersteller ein attraktiver Kandidat für Lizenzierung oder Übernahme sein können. „Das ist ein gutes Beispiel für etwas, das eigentlich einfacher hätte sein müssen“, so Rodby.
Die Aushöhlung zentraler Bestandteile des Inflation Reduction Act – eines US-Gesetzes, das Finanzmittel und Anreize für Batterien und Elektrofahrzeuge vorsah – hat die Lage zusätzlich verschärft.
Der Markt für Elektrofahrzeuge in den USA kühlt sich ab. Automobilhersteller streichen Modelle, reduzieren ihre Produktionspläne, und Ladestationen sollen abgeschaltet werden.
Es gibt jedoch auch Lichtblicke. Chinas Batterieindustrie boomt – mit teils negativen Begleiterscheinungen durch alternde Akkus – und seine Giganten für Batterien und Elektrofahrzeuge werden zunehmend dominanter.
Der Markt für stationäre Energiespeicher zeigt weiterhin positive Wachstumsraten, selbst in den USA.
Insgesamt präsentiert sich die Lage jedoch düster. Die Branche muss sich auf eine Phase der Konsolidierung und Ernüchterung einstellen, in der nicht mehr jedes innovative Konzept automatisch auf offene Türen stößt.
