
Laut einer aktuellen Umfrage des Beratungsunternehmens G-P geben 82 Prozent der befragten Führungskräfte an, dass künstliche Intelligenz den Wert gesenkt habe, den sie menschlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beimessen. Gleichzeitig erwägt eine große Mehrheit, das KI-Budget für 2026 möglicherweise zu kürzen.
KI-Tools sind in den meisten Unternehmen zwar angekommen, doch ein spürbarer Effizienzgewinn bleibt vielerorts aus. So berichteten 90 Prozent der im Rahmen einer US-Studie befragten Unternehmen, dass KI in den vergangenen drei Jahren keinen messbaren Einfluss auf Beschäftigung oder Produktivität hatte.
Kein Wunder also, dass mittlerweile fast 70 Prozent der Führungskräfte bereit sind, ihre KI-Budgets zu senken, wenn die gesteckten Ziele im Jahr 2026 nicht erreicht werden. Dies geht aus dem aktuellen AI-at-Work-Report von G-P hervor.
Demnach sind 73 Prozent der Befragten der Meinung, dass zumindest einige ihrer KI-Investitionen in den vergangenen zwölf Monaten ihren Erwartungen nicht entsprochen hätten. Die Enttäuschung über die ausbleibenden Erfolge scheint weit verbreitet.
Die G-P-Umfrage legt aber noch einen weiteren spannenden Effekt der laufenden KI-Transformation offen – nämlich jenen auf das Verhältnis zwischen Führungskräften und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Denn 82 Prozent der Befragten geben an, dass KI den Wert, den sie menschlichen Mitarbeitern beimessen, gesenkt hat.
In dieses Themenfeld fällt auch eine weitere Frage, nämlich die nach der Art der KI-Nutzung durch die Belegschaft. Laut AI-at-Work-Report befürchten 88 Prozent der befragten Führungskräfte, dass Mitarbeiter KI nutzen, um Produktivität vorzutäuschen.
Das Ganze diene dann nur dazu, beschäftigt zu erscheinen und die KI-Nutzungsvorgaben zu erfüllen, ohne damit tatsächlich produktiv zu sein. Mit 47 Prozent äußerte sich fast die Hälfte der Befragten sogar „sehr oder extrem besorgt“ darüber, dass dies aktuell schon passiere.
Zugleich geben 69 Prozent der Führungskräfte laut der Umfrage an, dass Mitarbeiter immer mehr Zeit aufwenden würden, um KI-Tools zu überwachen, zu bewerten oder deren Ergebnisse zu überarbeiten. Laut G-P deutet dies darauf hin, dass dadurch die versprochenen Effizienzgewinne wieder zunichtegemacht würden.
Dieser Umstand erinnert an „Solows Produktivitätsparadoxon“. Der Ökonom und Nobelpreisträger Robert Solow hatte 1987 die Beobachtung formuliert, dass der nach der Einführung moderner Computertechnik in den 1960er-Jahren erwartete Produktivitätsschub zunächst weitgehend ausgeblieben war.
Die Produktivitätsgewinne der in den 1970er- und 80er-Jahren getätigten Investitionen wurden jedoch spätestens in den 1990ern und frühen 2000ern spürbar. Entsprechende, etwas verspätete positive Auswirkungen erwarten viele Expertinnen und Experten auch für die KI-Transformation.
„Die Zukunft gehört den Unternehmen, die KI mit der richtigen Expertise, Governance und operativer Disziplin kombinieren, um Chancen in konkrete Geschäftsergebnisse umzusetzen“, erklärt Chefanalyst Pete A. Tiliakos von G-P. Für den AI-at-Work-Report 2026 hat G-P insgesamt 2.850 Führungskräfte auf sechs großen Märkten befragt, darunter USA, Frankreich und Deutschland.
Die Aussage, dass Führungskräfte eine vorgetäuschte Produktivität bei der Nutzung von KI befürchten, zeigt vor allem eines: Unvermögen, richtige Vorgaben im Hinblick auf die erwarteten Ergebnisse zu machen. Hier ist nicht das Werkzeug (KI), sondern das Verhalten der Führungskraft das Problem.
Die Skepsis gegenüber KI-Investitionen wächst, je länger die versprochenen Effizienzsteigerungen auf sich warten lassen. Unternehmen stehen nun vor der Herausforderung, ihre Strategien anzupassen und realistischere Erwartungen zu setzen.
Führungskräfte müssen lernen, KI nicht als Ersatz für menschliche Arbeit zu betrachten, sondern als Werkzeug, das mit klaren Zielen und Kontrollmechanismen eingesetzt wird. Nur so lässt sich das Vertrauen in die Technologie und die Belegschaft gleichermaßen erhalten.
Die G-P-Studie zeigt, dass die bloße Einführung von KI nicht ausreicht. Entscheidend ist die Integration in die Unternehmenskultur und die Schulung der Mitarbeiter, um die Technologie sinnvoll zu nutzen.
Ein weiteres Problem: Viele Führungskräfte unterschätzen den Zeitaufwand für die Überwachung und Nachbearbeitung von KI-Ergebnissen. Die erhofften Produktivitätsgewinne werden so häufig durch zusätzliche Arbeit wieder aufgehoben.
Experten raten daher, KI-Projekte von Beginn an mit messbaren KPIs zu versehen und regelmäßig zu evaluieren. Nur so können Unternehmen frühzeitig erkennen, ob eine Investition Früchte trägt oder ob Anpassungen nötig sind.
Der AI-at-Work-Report 2026 unterstreicht auch, dass der menschliche Faktor nicht vernachlässigt werden darf. Mitarbeiter brauchen klare Anleitungen und Vertrauen, um KI effektiv einzusetzen, statt sie nur zu „beschäftigen“.
Viele Führungskräfte sehen sich in einem Dilemma: Einerseits wollen sie KI vorantreiben, andererseits fürchten sie um die Produktivität und die Moral der Belegschaft. Eine ausgewogene Strategie ist gefragt.
Die Ergebnisse der Umfrage mahnen zur Vorsicht: Wer KI überstürzt einführt, ohne die organisatorischen und kulturellen Rahmenbedingungen zu schaffen, riskiert nicht nur Budgetkürzungen, sondern auch einen Vertrauensverlust bei den Mitarbeitern.
Letztlich zeigt sich: KI ist kein Allheilmittel. Sie kann Unternehmen stärken, wenn sie richtig eingesetzt wird – aber sie erfordert eine durchdachte Führung, die den Wert der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht aus den Augen verliert.
Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Unternehmen aus Solows Produktivitätsparadoxon gelernt haben und die geduldige, strategische Implementierung von KI belohnt wird. Die aktuellen Daten liefern jedenfalls reichlich Stoff für eine kritische Reflexion.
Führungskräfte sollten die Studie zum Anlass nehmen, ihre eigenen KI-Prozesse zu hinterfragen und den Dialog mit der Belegschaft zu suchen. Nur so lassen sich Ängste abbauen und echte Produktivitätssteigerungen erzielen.
Für den Erfolg entscheidend ist letztlich nicht die Technologie allein, sondern die Fähigkeit der Unternehmen, sie mit menschlicher Expertise und klaren Zielen zu verbinden. Das ist die zentrale Botschaft des AI-at-Work-Reports 2026.
