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Nach über 14 Jahren an der Spitze räumt Tim Cook den Chefposten bei Apple. Ab dem 1. September 2026 übernimmt der bisherige Hardware-Chef John Ternus. Unter Cook wurde Apple zeitweise zum wertvollsten Unternehmen der Welt – dabei wollte der Manager ursprünglich gar nicht für den Konzern arbeiten.
Apple-Fans erleben Tim Cook nur noch selten live. Seit der Corona-Pandemie setzt das Unternehmen bei Produktvorstellungen auf Hochglanz-Videos, die Cook stets mit einem gut gelaunten „Good Morning“ einleitet. Zwar tritt der Apple-Chef kurz vor dem Abspielen des Films vor die Medienvertreter, verschwindet dann aber wieder im Hintergrund. Interviews gibt er selten. Und viele werden nicht mehr dazukommen – denn zum 1. September 2026 übernimmt John Ternus.
Überraschend war Cooks öffentliche Zurückhaltung nicht. Schon in der 2011 erschienenen Biografie über Steve Jobs zitiert Autor Walter Isaacson Tim Cook mit den Worten: „Einigen Leuten gefällt es nicht, dass Steve für alles den Ruhm einstreicht, aber mir ist es völlig egal.“ Und: „Ehrlich gesagt, stehe ich lieber nicht in der Zeitung.“
Diese Haltung passt zu seinen Auftritten. Während Steve Jobs die Bühne mit Charisma beherrschte und auch schon mal das Publikum anblaffte, wirkt Cook stets ruhig und analytisch.
Doch wie gelang jemandem, der kein Selbstdarsteller sein will, der Aufstieg zu einem der laut Fortune einflussreichsten Geschäftsmenschen und zum CEO eines der wertvollsten Unternehmen der Welt?
Seine Karriere startete der aus Alabama stammende Tim Cook nach einem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der Auburn University bei IBM. Dort war er für das Pipeline-Management in der Fertigungshalle einer Fabrik verantwortlich, wie der Journalist Leander Kahney in seinem Buch „Tim Cook – Das Genie, das Apples Erfolgsstory fortschreibt“ beschreibt.
Cook musste sicherstellen, dass in der Anlage alle wichtigen Teile in genau der richtigen Stückzahl zur Verfügung standen. IBM setzte damals auf die Just-in-Time-Fertigung, um Lagerkosten einzusparen. Das Unternehmen nahm Aufträge an, baute nach Bestellung und lieferte aus, ohne dass Ware oder Bauteile eingelagert werden mussten.
Im Laufe der zwölf Jahre, die Cook für IBM arbeitete, wurde er mehrmals befördert. Anschließend stieg er als Chief Operating Officer in die Wiederverkaufsabteilung von Intelligent Electronics ein und wechselte nach dem Verkauf des Unternehmens 1997 zu Compaq.
Auf seinem Weg sammelte er Erfahrungen in der Effizienzsteigerung und lernte Lieferketten kennen. Beides wurde für den späteren Job als Senior Vice President of Worldwide Operations bei Apple wichtig – den er eigentlich gar nicht wollte.
Dass er ihn dennoch antrat, lag an Steve Jobs. Der hatte ein Jahr lang selbst das Produktionsmanagement geleitet, nachdem der vorherige Leiter nach kurzer Zeit bei Apple gekündigt hatte. Der Druck unter dem charismatischen Apple-Mitgründer war zu groß. Jobs wollte jemanden, der wie Michael Dell eine Just-in-Time-Produktion samt Lieferkette aufbauen konnte. „Tim Cook kam aus der Beschaffung, und das war exakt der Hintergrund, den wir brauchten“, wird Jobs von Isaacson zitiert.
Cook ließ laut Kahney jedoch alle Versuche von Headhuntern, ihn zu Apple zu lotsen, abblitzen. Ein möglicher Grund: 1998 stand Apple kurz vor der Pleite, während Compaq die sichere Option war. Steve Jobs traf er dennoch und ließ sich von ihm anstecken. „Schon fünf Minuten nach Beginn meines ersten Bewerbungsgesprächs mit Steve war ich drauf und dran, alle Vorsicht und Logik in den Wind zu schlagen und zu Apple zu gehen“, zitiert Isaacson den heutigen Apple-Chef.
Nach iPhone-Keynotes wagt sich Tim Cook kurz in die Handson-Area, um das iPhone Air zu zeigen – ein seltener Moment der Nähe zu Journalisten und Fans.
Dass Apple unter dem zurückgekehrten Jobs die Kehrtwende gelang, ist kein Geheimnis. Dass Tim Cook einen gehörigen Anteil daran trägt, wird dagegen selten zur Kenntnis genommen. Er war es, der im Hintergrund die Lagerbestände stetig verkleinerte, die Produktionen auslagerte, die Anzahl der Zulieferer reduzierte und dem fast bankrotten Unternehmen in kurzer Zeit viele Millionen US-Dollar einsparte.
Den bunten iMac G3 baute Apple bis auf das Gehäuse und den Bildschirm in eigenen Fabriken, bis Cook die Produktion zum größten Teil an LG und später an Foxconn auslagerte. Heute werden Apple-Produkte überwiegend in Asien gefertigt – in China, Indien und Vietnam.
Zunächst stieg Cook im Unternehmen auf. Im Herbst 2005 wurde er von Jobs beiläufig zum COO befördert. Spätestens seit diesem Zeitpunkt war Cook die Nummer 2 bei Apple. Schon zuvor, während Jobs‘ erster Auszeit wegen seiner Krebserkrankung, hatte Cook die Geschäfte interimsmäßig übernommen.
2009 und 2011 vertrat er den kranken Apple-Mitgründer erneut. Als Steve Jobs im August 2011 aufgrund seines Gesundheitszustands vollständig zurücktrat, schlug er Cook als Nachfolger vor. Dieser folgte schließlich als Apple-CEO.
Seine erste Produktvorstellung als CEO leitete Cook am 4. Oktober 2011 mit dem iPhone 4s – einen Tag vor dem Tod von Steve Jobs. Es folgten das iPhone 5 und 5s mit jeweils etwas größerem Bildschirm. Damit einher ging die Frage, ob Apple ohne Jobs an Innovationskraft verloren hatte.
Zumal sich Cook 2012 in einem Brief öffentlich bei den Kunden entschuldigen musste, weil der unter seiner Aufsicht in iOS 6 integrierte Kartendienst Apple Maps nicht wie gewünscht funktionierte.
Einen Tag vor Steve Jobs‘ Tod präsentierte Tim Cook das iPhone 4s – seine erste Produktvorstellung als Apple-CEO.
Erst 2014 konnte Cook der Techbranche öffentlich seinen Stempel aufdrücken. Mit der ersten Apple Watch präsentierte er ein komplett neues Gadget, mit Apple Pay dazu einen neuen Bezahldienst. Der Journalist Walt Mossberg titelte nach der Vorstellung bei Recode: „Es ist jetzt Tim Cooks Apple.“
Dass damals noch niemand genau wusste, wofür man die Uhr brauchte, war nebensächlich. Mit weiteren Iterationen wurde das Produkt besser und vielfältiger. Heute steht Apple laut den Marktforschern von Canalys mit einem Marktanteil von 16 Prozent weltweit auf dem zweiten Platz im Smartwatch-Markt – beeindruckend, da die Uhr nur mit dem iPhone kompatibel ist.
Einen weiteren Erfolg feierte Apple mit der Einführung der AirPods. Die erste Version wurde wegen ihrer Optik noch belächelt, mittlerweile gehören kabellose In-Ears bei jedem Hersteller zum Standardportfolio.
Unter Cooks Aufsicht entwickelte sich Apple zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt. Im August 2018 erreichte der Konzern als erstes Unternehmen einen Marktwert von einer Billion US-Dollar.
Aber nicht alles, was Apple unter Cook auf den Markt bringt, wird ein Erfolg. Bei der zweiten neuen Produktkategorie, der Computer-Brille Apple Vision Pro, läuft es bislang schleppend. Technisch beeindruckte das Gadget die Tester zwar, der hohe Preis schreckt jedoch viele Kunden ab.
Auch den Einstieg ins KI-Zeitalter hat Apple zunächst verpasst und dann nicht optimal umgesetzt. Zwar gibt es auf dem iPhone inzwischen Funktionen wie Schreibhilfen oder KI-generierte E-Mail-Zusammenfassungen, doch auf die 2024 angekündigte und grundlegend überarbeitete Sprachassistenz Siri warten Kunden bis heute.
Im Dezember 2019 führte Tim Cook US-Präsident Donald Trump durch das Apple-Werk in Austin, wo der Mac Pro gefertigt wird. Trump hätte gern mehr solcher Fabriken in den USA gesehen.
Dazu kommen politische Herausforderungen. Mit Antritt seiner zweiten Amtszeit will Präsident Trump Unternehmen dazu bewegen, ihre Produktion aus Asien zurück in die USA zu verlagern. Statt Anreize zu schaffen, verhängte er Strafzölle auf Importe.
Vor diesem Hintergrund kündigte Apple Investitionen in Höhe von 500 Milliarden Dollar in den USA an. Unter anderem soll der Mac Mini künftig in einem Werk in Houston gebaut werden, wie COO Sabi Khan dem Wall Street Journal erklärte.
In der jüngsten Vergangenheit bemühte sich Cook sichtlich, Trump zu gefallen. Bei der Verkündung der Milliarden-Investition überreichte er dem Präsidenten eine in den USA gefertigte Trophäe und lobte dessen Politik gemeinsam mit Bill Gates, Mark Zuckerberg und Sam Altman.
Anfang August kündigten Trump und Cook gemeinsam die 500-Milliarden-Dollar-Investition an. Vorläufig kommen viele iPhones aber weiterhin aus Indien – dank einer Ausnahmegenehmigung.
Dass man nicht negativ auffallen möchte, zeigt auch das Entfernen von Apps aus dem App Store, die Immigranten vor Beamten der Einwanderungsbehörde ICE warnen sollten.
Politisch geriet Cook intern wie extern in die Kritik, als er einer Vorführung der Dokumentation „Melania“ im Weißen Haus beiwohnte – am selben Tag, an dem der Krankenpfleger Alex Pretti bei einem ICE-Einsatz in Minneapolis erschossen wurde.
Öffentliche Äußerungen dazu vermied der Apple-Chef. Erst später erklärte er in einer internen Mail, er sei untröstlich, habe aber gute Gespräche mit Präsident Trump geführt.
Dass Cook mit allen Ideen Trumps übereinstimmt, ist schwer zu glauben. Der Apple-Chef outete sich 2014 öffentlichkeitswirksam als homosexuell.
Trumps Erlass gegen Diversitätsprogramme in Unternehmen dürfte ihm daher ein Dorn im Auge gewesen sein. Apple beugte sich dem – auch dank der Rückendeckung der Aktionäre – folgerichtig nicht.
Jetzt läuft die Zeit von Tim Cook als Apple-CEO ab. Zum 1. September 2026 übernimmt John Ternus den Chefposten. Die Politik wird Cook aber auch danach nicht loslassen: Er bleibt dem Unternehmen als Vorsitzender des Verwaltungsrates erhalten.
Laut einer Pressemitteilung werde Cook in seiner neuen Rolle „das Unternehmen in bestimmten Bereichen unterstützen, unter anderem bei der Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern weltweit.“
Die WWDC 2026, die am 8. Juni beginnt, dürfte damit sein letzter großer Auftritt als CEO auf der Apple-Bühne werden. Tim Cook wird Fans des Unternehmens also wenigstens noch einmal mit einem freundlichen „Good Morning“ begrüßen.
Dieser Artikel wurde ursprünglich am 9. Oktober 2025 veröffentlicht. Aufgrund des anhaltenden Interesses haben wir ihn aktualisiert und hier nochmals zur Verfügung gestellt.
