Wann gute Jobs unglücklich machen – und wie die Gehirngesundheit unsere Zufriedenheit beeinflusst

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Jonas Fischer
Technologie - 22 Mai 2026

Viele Menschen sind unglücklich im Job – obwohl sie rein objektiv eine gute Stelle haben. Svea von Hehn ist promovierte Psychologin und Gründerin der Unternehmensberatung Return on Meaning. Sie erklärt, wie diese Unzufriedenheit zustande kommt, warum KI oft zu Stress führt und wie wir unser Gehirn so einsetzen können, dass wir wieder zufriedener werden.

Zum Interview schaltet sich Svea von Hehn aus einer Berliner Grundschule in Steglitz-Zehlendorf zu. Etwas ungewöhnlich für eine Unternehmensberaterin, aber heute steht ihr Pro-Bono-Projekt auf der Tagesordnung. Die promovierte Psychologin versucht, das Thema Achtsamkeit an Schüler und Lehrpersonal weiterzugeben. Unter anderem erklärt sie dort, wie das Gehirn funktioniert und was die Amygdala, die zentrale Schaltstelle für die Verarbeitung von Emotionen, mit den eigenen Gefühlen zu tun hat.

t3n: Frau von Hehn, Sie haben sich vor 14 Jahren mit Ihrer Unternehmensberatung „Return On Meaning“ selbstständig gemacht. Davor waren Sie unter anderem als Engagement Manager bei McKinsey in Dubai tätig. In Ihrer jetzigen Arbeit haben Sie und Ihr Team viel mit internationalen Unternehmen und dem Topmanagement zu tun. Wenn Sie sich zurückerinnern: Wie viele unglückliche Menschen, die aber objektiv betrachtet gute Jobs hatten, haben Sie in den letzten Jahren getroffen?

Svea von Hehn: Ich würde sagen, es ist ein Phänomen, das wir sehr häufig sehen. Viele Menschen haben äußerlich alles, was man sich wünschen kann: ein hohes Gehalt, tolle Titel, viel Verantwortung. Und dennoch fühlen sie sich leer, ausgebrannt oder fragen sich, ob das alles gewesen sein soll. Das ist kein Einzelfall, sondern ein systematisches Problem, das mit dem Design unserer Arbeitswelt und der Art, wie wir mit unserem Gehirn umgehen, zusammenhängt.

t3n: Sie sprechen von der Gehirngesundheit. Welche Rolle spielt sie bei der Arbeitszufriedenheit?

Svea von Hehn: Eine entscheidende. Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, permanent unter Hochdruck zu arbeiten. Wenn wir dauerhaft im Stressmodus sind, wird die Amygdala überaktiv. Die Folge: Wir reagieren ängstlicher, gereizter und können uns schlechter konzentrieren. Gleichzeitig schaltet das Gehirn auf Überlebensmodus, kreative und empathische Fähigkeiten bleiben auf der Strecke. Das führt zu einer negativen Spirale, die uns unglücklich macht – selbst wenn der Job objektiv gut ist.

t3n: Was ist mit der zunehmenden Nutzung von Künstlicher Intelligenz? Verstärkt sie das Problem?

Svea von Hehn: Ja, in vielen Fällen schon. KI kann einerseits entlasten, andererseits erzeugt sie neuen Druck. Viele Mitarbeiter haben Angst, durch KI ersetzt zu werden. Hinzu kommt, dass die Technologie oft als Kontrollinstrument eingesetzt wird, was Misstrauen schürt. Das aktiviert wieder die Amygdala und verstärkt das Gefühl von Ohnmacht. Unternehmen tun gut daran, KI so einzuführen, dass sie den Menschen unterstützt, nicht bedroht.

t3n: Was raten Sie Führungskräften, die ihre Teams zufriedener machen wollen?

Svea von Hehn: Führungskräfte sollten verstehen, dass das Gehirn vor allem nach Sicherheit, Autonomie und sozialer Verbundenheit sucht. Wenn sie diese drei Grundbedürfnisse erfüllen, steigt die Zufriedenheit messbar. Konkret heißt das: Klare Kommunikation, Vertrauen statt Kontrolle und eine wertschätzende Feedbackkultur. Das klingt banal, wird aber in der Praxis oft vernachlässigt.

t3n: Sie beschäftigen sich auch mit dem Thema Achtsamkeit im Unternehmen. Wie kann das helfen?

Svea von Hehn: Achtsamkeit trainiert das Gehirn, aus der automatischen Stressreaktion auszusteigen. Es hilft, die Amygdala zu beruhigen und den präfrontalen Cortex zu stärken, der für rationale Entscheidungen zuständig ist. Nachhaltig gelernt, verbessert das nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Leistungsfähigkeit. Viele Unternehmen denken, Achtsamkeit sei nur etwas für das persönliche Wohlfühlen – dabei ist es ein echter Produktivitätsfaktor.

t3n: Wie können Mitarbeiter selbst aktiv werden, wenn sie sich unglücklich fühlen?

Svea von Hehn: Der erste Schritt ist, sich bewusst zu machen, dass es nicht am fehlenden Gehalt oder am Titel liegt. Die Ursache liegt oft in der Art, wie wir arbeiten. Ich empfehle, kleine Puffer im Alltag einzubauen, in denen das Gehirn abschalten kann. Das kann ein kurzer Spaziergang sein, eine Atemübung oder einfach mal fünf Minuten nichts tun. Zudem sollte man die eigene Einstellung hinterfragen: Will ich wirklich immer performen, oder darf ich auch mal Mensch sein?

t3n: Gibt es ein Beispiel aus Ihrer Beratung, das Sie besonders beeindruckt hat?

Svea von Hehn: Ja, ein Manager eines großen Konzerns stand kurz vor dem Burnout. Er hatte alle äußeren Erfolgsfaktoren, aber fühlte sich innerlich tot. In der Zusammenarbeit haben wir Schritt für Schritt seine Prioritäten neu geordnet, er lernte, Nein zu sagen und wieder Pausen zu machen. Heute führt er sein Team mit mehr Gelassenheit und ist nach eigenen Worten endlich wieder glücklich in seiner Rolle. Das zeigt: Es ist möglich, die Wende zu schaffen.

t3n: Zum Abschluss: Was ist Ihre wichtigste Botschaft für alle, die sich in einem guten Job unglücklich fühlen?

Svea von Hehn: Hören Sie auf, sich mit äußeren Maßstäben zu messen. Guter Job bedeutet nicht automatisch gutes Leben. Fragen Sie sich: Was brauche ich wirklich, um mich erfüllt zu fühlen? Und dann handeln Sie. Das Gehirn kann sich verändern, wenn wir ihm die richtigen Impulse geben. Manchmal hilft schon eine kleine Veränderung im Alltag, um die Zufriedenheit zurückzubringen.

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Übrigens: Franziska Martin ist die Redakteurin dieses Artikels. Sie schreibt für das Ressort Arbeitswelt bei t3n schwerpunktmäßig über KI und die Veränderung der Arbeitswelt. Zuvor war sie beim manager magazin tätig und hat auch dort über die Tech-Branche berichtet.

📝 Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung basierend auf Inhalten von t3n Magazin umgeschrieben.
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