Google verhandelt mit SpaceX über Weltraum-Rechenzentren

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Sarah Hoffmann
Technologie - 18 Mai 2026

Google und SpaceX führen derzeit vertrauliche Gespräche über eine Zusammenarbeit, um Rechenzentren in den Erdorbit zu bringen. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen. SpaceX-Gründer Elon Musk verfolgt mit der Idee orbitaler Datenzentren ein neues Geschäftsmodell, insbesondere im Hinblick auf den bevorstehenden Börsengang seines Unternehmens.

Für Google ist das Konzept nicht neu: Der Internetkonzern treibt bereits seit letztem Jahr konkrete Pläne für Weltraum-Rechenzentren voran. Zudem hält Google seit mehr als zehn Jahren Anteile an SpaceX. Anfang November 2025 kündigte das Unternehmen offiziell die Planung von KI-Rechenzentren im Orbit an. Das Projekt trägt den Namen „Project Suncatcher“ und sieht Serverfarmen im All vor, die rund um die Uhr mit Solarstrom versorgt werden sollen.

Für die zunächst geplante Konstellation aus 81 Satelliten bietet sich eine Kooperation mit SpaceX an. Google ist bereits seit 2015 an dem Raumfahrtkonzern beteiligt. Laut einer Pflichtmeldung bei der US-Börsenaufsicht investierte Google damals 900 Millionen US-Dollar und hält heute rund sechs Prozent der SpaceX-Anteile. Eine Zusammenarbeit an orbitalen Rechenzentren würde daher beiden Unternehmen nutzen.

SpaceX hat kürzlich einen Börsengang beantragt, der Investoren anlocken soll. Elon Musk strebt den größten Börsengang aller Zeiten an – der Konzern könnte mit rund zwei Billionen US-Dollar bewertet werden. Zwar soll nur ein kleiner Teil der Anteile verkauft werden, doch selbst mit 50 bis 75 Milliarden US-Dollar würde es der größte Börsengang der Geschichte sein. Die Diskussionen mit Google passen in dieses strategische Bild.

Auch die KI-Firma Anthropic, bekannt für ihre Modelle Claude, hat eine Kooperation mit SpaceX angekündigt. Zunächst geht es um Rechenkapazitäten in SpaceX‘ Supercomputer Colossus, wodurch die Nutzungslimits für Claude-Abonnenten deutlich angehoben wurden. Anthropic zeigt jedoch auch Interesse an orbitalen Rechenzentren mit mehreren Gigawatt Leistung – einen Zeitplan gibt es dafür aber nicht.

Elon Musk ist überzeugt, dass der Erdorbit aufgrund der unbegrenzten Sonnenenergie schon in wenigen Jahren der günstigste Standort für KI-Rechenzentren sein wird. Google und Anthropic springen auf diesen Zug auf. Doch es gibt auch prominente Zweifel: OpenAI-Chef Sam Altman bezeichnete Rechenzentren im All im Februar 2025 als „lächerlich“, zumindest unter den derzeitigen Bedingungen. Als Gegenargumente nannte er die hohen Transportkosten und die Reparaturanfälligkeit aktueller GPUs im Vakuum.

Eine Studie der Marktforscher von Gartner vom Anfang des Jahres untermauert diese Skepsis. Die Analyse bezeichnet die Pläne für orbitale Datenzentren als „Höhepunkt des Wahnsinns“. Neben den Transportkosten sehen die Analysten einen Flaschenhals bei den Datenübertragungsraten zurück zur Erde sowie Probleme bei der Kühlung der Hardware im Vakuum. Die Ableitung der entstehenden Wärme sei auf ineffiziente und langsame Alternativen angewiesen.

Statt dem Traum von Weltraum-Rechenzentren nachzujagen, sollten sich die Akteure nach Ansicht der Gartner-Analysten besser dem dringend nötigen Ausbau der terrestrischen Infrastruktur widmen. Die Debatte zeigt: Technisch ist die Idee verlockend, doch die praktischen Hürden sind derzeit noch immens. Ob die Gespräche zwischen Google und SpaceX zu einem konkreten Projekt führen, bleibt abzuwarten.

📝 Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung basierend auf Inhalten von Heise Online umgeschrieben.
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